Das große Review: Kinesiology-Tape | Taping

Historie

Das Kinesio-Taping stammt von Kenzo Kase und der Firma Nitto Denko Corporation aus Tokio (Japan) aus dem Jahr 1970. Die Idee dahinter war eine einmalige und sich selbstklebende Bandage, welche als Unterstützung und Ergänzung in der Therapie angesehen wurde. Mehr nicht. Heutzutage wird das Taping als primäre Behandlung und / oder als “Heilmittel” für viele Beschwerden angesehen. Sind diese unzählige Behauptungen wirklich berechtigt?

Was ist Kinesiology-Tape – Die Theorien

Kinesiologisches Taping (eng.: Kinesiology-Taping; kurz: KT) nutzt elastisches Tape, welches auf der Haut fixiert wird. Es ist dünner und elastischer als konventionelles Tape (z.B. Leukotape). Dies soll mehr Beweglichkeit und Hauttraktion erlauben. Nach dem man den zu klebenden Bereich in eine gedehnte Position gebracht hat, wird das Tape mit leichter Spannung (10-15 %) aufgebracht. Wie viel Spannung aufgebracht wird kann sich von zu erzielendem Effekt ändern. Nach dem der Muskel / Bereich nun wieder in eine entspannte Position gebracht wird, entstehen kleine “Wellen” (eng.: convolutions) auf dem angebrachten Tape und der darunter liegenden Haut. Dadurch soll die Epidermis angehoben und der Druck auf die Mechanorezeptoren, welche unter der Dermis liegen, verringert werden. So soll der nozizeptive Stimulus und somit der Schmerz verringert werden. Auch die Gate-Control-Theorie soll eine Rolle spielen. Weiterhin soll es die Blut- und Lymphzirkulation verbessern. Dies soll durch die “Wellen” erreicht werden, da dadurch der Druck unterhalb der Haut reduziert und so Platz für einen besseren lymphatischen Abfluss und Blutfluss erreicht werden soll.  Je nach dem wie man das Tape anbringt, soll aufgrund von neuromuskulären Mechanismen entweder die Aktivität der Muskeln erhöht oder verringert werden, also die Muskelaktivität soll sich verändern. Dadurch soll durch ein Muskel-Realignment Gelenke wieder in Position gebracht werden (Bezug auf Subluxations-Theorie). Kraft soll außerdem verbessert werden durch einen konzentrische Zug an den Faszien. Die Propriozeption soll sich erhöhen und Verletzungen sollen sich durch verbesserte Propriozeption und Muskel-Realignment verringern. Lustig, denn einerseits soll bei Schmerz der Druck auf die Mechanorezeptoren verringert werden, andererseits soll bei der Propriozeption die Sensibilität der Mechanorezeptoren durch das KT zunehmen…

Weiterhin besteht das KT aus 100% Baumwolle und kann durch den Zug bis zu 140% verlängert werden. Da es dünn und leicht ist, schränkt es die Bewegung nicht ein. Richtig angebracht, hält es auch unter Wasser. Nach drei bis fünf Tagen muss es erneuert werden.

Wichtig: Der Hype um die Faszien steigt seit Jahren an. Jedoch ist dieser Hype unbegründet. Um nicht zu sehr ins Detail zu gehen, werde ich hier kurz die wichtigsten Informationen liefern. Eine kleine Einheit kontraktiler Faszien erzielt eine Kraft – wenn man es überhaupt Kraft nennen möchte – von 35mN. Die gesamte Fascia thoracolumbalis 5N. Um eine Faszie zu verändern, bräuchten wir einen manuellen Druck von 450kg. Wir könnten also einen Kleinwagen an unsere Faszien hängen. Die Effekte, die durch eine Therapie auf die Faszien wirken, halten nur wenige Sekunden bis maximal wenige Minuten an. Das höchst interessante ist sogar, dass Ida Rolf von ihrer eigenen Thixotropy-Theorie zurückgetreten ist.

Die Wahrheit – Hat Kinesio-Taping überhaupt einen Nutzen?

Wichtig: In der unten aufgeführten Zusammenfassung werdet ihr des öfteren z.B. das Wort „minimal“ lesen. Dies bedeutet, dass es keinen klinischen Effekt hat. In den Klammern hinter den einzelnen Stichpunkten steht die Nummer der in den Quellen aufgeführten Studie.

Schmerzintensität und Disability (z.B. ROM, physische Funktion, gelenkbezogener Gesundheitsstatus)

  • Vordere Knieschmerzen bei Belastung
    • KT nicht besser als keine Behandlung (1)
    • KT nicht besser als andere Interventionen (1)
  • Patellofemoraler Schmerz
    • KT nicht besser als Sham-Taping (1, 7, 12, 19)
    • KT mit Übungsprogramm nicht besser als Hausübungen allein (7, 12, 19)
    • KT besser als kein-Tape, aber genauso gut wie McConnell-Tape bei der Schmerzreduzierung beim Treppengehen, aber nicht in die Hocke gehen; hier keine Placebo-Kontrolle (12)
    • KT plus Übungen genauso effektiv wie Elektrotherapie mit Übungen (12)
    • KT genauso effektiv wie McConnell-Tape (12, 19)
  • Schulterschmerz allgemein
    • KT nicht besser als Sham-Taping (1)
  • Rotatorenmanschetten-Läsion
    • der Zusatz von KT hat keinen weiteren Nutzen (1)
  • Schulter-Impingement
    • der Zusatz von KT hat keinen weiteren Nutzen (1)
    • Sham-Tape / PT plus Übungen genauso effektiv wie KT plus Übungen bezüglich Ruheschmerz am Tag und Nacht (2, 12)
    • Bewegungsschmerz und Disability bei Taping-Gruppen innerhalb 14 Tagen kann kurzfristig besser sein (2, 12)
    • Sham-Tape genauso effektiv wie KT (7, 10, 12, 19)
    • Bewegungsradius in Flexion und Abduktion bei Tape- vs. Kontrollgruppen und Tape- vs Sham-Tape identisch, kann aber kurzfristig unterscheide bringen (2, 10)
    • Tape mit minimalen Kraftunterschieden in Flexion und Außenrotation im Vergleich zu Sham-Tape (2)
    • Tape kann als Zusatz kurzfristig Besserungen erreichen, aber keine ausreichende Anzahl an Studien mit Placebo- und Shamkontrolle (2)
    • die Scapula-Kinematik wird nur bei spezifischen Graden der Schulterflexion minimal verbessert, ist in den meisten Tests aber unbedeutend und kann sogar negative Effekte haben (10, 11)
  • Rückenschmerz allgemein
    • KT nicht besser als Sham-Taping (1)
    • der Zusatz von KT hat keinen weiteren Nutzen (1, 19)
  • (chronischer) Rückenschmerz
    • KT nicht besser als andere Interventionen (1,4)
    • KT als Zusatz zu PT nicht besser (3,4, 12, 19, 23)
    • KT isoliert und im Vergleich zu Sham-Tape keinen besseren Effekt (5, 7, 12, 23)
    • KT genauso effektiv wie Sham-Tape (6, 12, 17, 19)
    • KT genauso effektiv wie kein KT / keine Intervention (13, 23)
    • KT nicht besser als ein Heftpflaster (13)
  • Schleudertrauma
    • KT nicht besser als Sham-Taping (1, 7, 10, 12)
    • KT nicht besser als andere Interventionen (1)
  • (chronischer) Nackenschmerz
    • der Zusatz von KT hat keinen weiteren Nutzen (1, 19)
    • KT nicht besser als Sham-Tape (7)
    • KT genauso effektiv wie Manipulation der HWS (12, 19)
    • zervikale Traktion plus Übungen genauso effektiv wie KT plus Übungen (19)
  • HWS
    • kein Einfluss eines KT (hier keine Kontrolle mit Placebo-Tape!) auf die HWS-Beweglichkeit (10)
  • angeborener muskulärer Torticollis
    • keine Besserung durch zwei verschiedene (entweder nur ipsilateral oder ipsi- und kontralaterales Tape) Tape-Anlagen (24)
    • der Zusatz vom KT zu einem Übungsprogramm hat keinen weiteren Nutzen im Bewegungsradius (24)
  • Plantar-Fasciitis
    • der Zusatz von KT hat keinen weiteren Nutzen (1)
    • keinen Effekt auf Dicke der Plantarfaszie (7)
    • kurzfristig erzielt KT plus Übungen bessere Schmerzreduktion als ein Übungsprogramm allein (12)
    • Physio allein besser als KT plus Physio (19)
  • Rumpf
    • Rumpfflexion kann durch KT (hier keine Kontrolle mit Placebo-Tape!) minimal verbessert werden, während Rumpfextension und -lateralflexion keinen Unterschied aufweisen (10)
  • Epicondylitis medialis et lateralis
    • KT genauso effektiv wie Placebo (12)
    • inhibitorische, fazilitatorische, Sham-Tape und kein Tape gleicher Effekt (14)
  • Gonarthrose
    • KT kurzfristig (30 min) besser als Sham-Tape (19)
    • KT nicht besser als Sham-Tape (25, 28)
    • nicht-elastisches Tape (z.B. Leukotape) hat bisher nur Studien mit geringer Qualität, der Effekt ist bisher nicht signifikant (25)

Propriozeption

Die Propriozeption wird in den Studien 8 – 10 wie folgt gemessen: Es wird eine Ausgangsposition des Fußes eingestellt. Nach ein paar Bewegungswiederholungen des Fußes soll diese Ausgangsposition wieder erreicht werden. Anschließend wird geschaut, inwieweit diese Position von der ursprünglichen Ausgangsposition abweicht. Auch wird festgestellt, ab wann der Teilnehmer bei einer passiven Bewegungen diese Bewegung wahrnimmt. Es werden also Gelenkposition und Bewegungssinn untersucht. Der Nutzen für weniger Ankle-Sprains wird hier nicht untersucht.

  • Fußgelenk
    • nach mehreren Tape-Anlagen, die das ganze Sprunggelenk umfasst, ist das Gefühl für das Wiedererreichen der Ausgangsposition des Fußes leicht verbessert (8)
    • minimale Einflüsse durch KT oder Bracing (9)
    • Statisches Gleichgewicht: kein Tape genauso effektiv wie ein KT bzw. KT keinen Effekt während konzentrischer und exzentrischer Kraft (28)
    • Inversions-Erschütterung: KT hat keinen Effekt auf die Aktivität des M. fibularis longus; genauso effektiv wie kein Tape; ein nicht-elastisches Sport-Tape schneidet zwar besser, aber nicht signifikant besser ab (29)
    • dynamisches Gleichgewicht beim Star-Excursion: Sham-Tape genauso effektiv wie KT (30)
    • dynamisches Gleichgewicht beim Dynamic stability Index: Sham-Tape genauso effektiv wie KT (30)
  • Handgelenk
    • minimale Einflüsse (10)

Wichtig: Wie in einem früheren Review von mir geschrieben, hat die Propriozeption keinen Einfluss auf die Verletzungen des Sprunggelenks. So ist der kurze spinale Reflex (monosynaptischer Reflex, 50ms) zwar schnell, aber nicht stark genug,um eine Verstauchung zu verhindern. Der lange spinale Reflex (polysynaptischer Reflex, 170ms) ist zwar stark, aber nicht schnell genug. Eine Verstauchung und damit Verletzung des Bandes tritt innerhalb weniger als 100ms auf. Aufgrund der oben erwähnten Studie von Briem et al. werden dennoch in Übersichtsarbeiten nicht elastische Sports-Tape zur Prävention einer Wiederverletzung des Sprunggelenks empfohlen.

Lymphödem

  • Brustkrebs
    • KT mit gewöhnlicher Versorgung schneidet bei Extremitäten-Größe, Wassergehalt der oberen Extremität, Lymphödem-Symptome und Lebensqualität nicht besser ab als Kompressionskleidung mit gewöhnlicher Versorgung (7)
    • KT plus weitere Behandlungsmethoden nicht besser als Bandage mit weiteren Behandlungsmethoden (18)
    • KT im Vergleich zu keiner Intervention keinen besseren Effekt (18)
    • Kompression plus MLD besser als KT plus MLD (18)
    • KT plus Bandage genauso effektiv wie Bandage ohne KT und Bandage plus Übungen (18)
  • Gonarthrose
    • Volumetrie und Perimetrie zeigen im Vergleich KT versus Sham-Tape keinen Unterschied (28)

Blutzirkulation

  • Gastrocnemius
    • KT genauso effektiv wie Sham-Tape und kein Tape (20)
  • unterer Rücken
    • KT genauso effektiv wie Sham-Tape (21)
  • Unterarm
    • KT genauso effektiv wie kein Tape (22)

Aktivität der Muskulatur und Kraft

  • lumbaler Bereich
    • Reduktion des Muskeltonus kann auftreten (durch weniger Bewegungsangst ?), dies hat aber keinen Einfluss auf Schmerzreduktion (4)
  • Trapezius ascendens
    • KT hat keinen Effekt auf die Kraft vom unteren Trapez (10)
    • KT hat in der exzentrischen Phase 60-30° der Schulterflexion einen moderaten Effekt auf die EMG-Aktivität (10, 11)
  • Trapezius descendens
    • KT hat bei der Schulterflexion 90-120° einen moderaten Effekt auf die EMG-Aktivität (10, 11)
  • Griffkraft
    • KT hat einen minimalen Einfluss auf die Griffkraft (10)
    • KT hat im Vergleich zu einem Placebo-Tape und kein Tape keinen stärkeren Einfluss auf die Griffkraft (10)
    • inhibitorische, fazilitatorische, Sham-Tape und kein Tape gleicher Effekt (14)
    • inhibitorische KT-Anlage hat keinen Effekt auf die Muskelaktivität der Handgelenksextensoren und die maximale Griffkraft (16)
  • Quadrizeps
    • KT hat einen minimalen Einfluss auf die konzentrische Kraft im Vergleich zu Placebo-Tape oder kein Tape (10)
    • inhibitorische, fazilitatorische, Sham-Tape keinen Effekt bei Isokinetik (27)
    • kein Tape genauso effektiv wie ein KT bzw. KT keinen Effekt während konzentrischer und exzentrischer Kraft (28)
    • bei Gonarthrose: KT genauso effektiv wie Sham-Tape (28)
  • Spastik Plantarflexoren
    • KT mit BTX-A ist bei Schlaganfallpatienten nicht besser als Sham-Tape mit BTX-A (7)
  • Nervus tibialis
    • eine inhibitorische oder fazilitatorische hat keinen Effekt auf die Erregbarkeit der Motoneurone (15)
  • angeborener muskulärer Torticollis
    • keine Besserung durch zwei verschiedene (entweder nur ipsilateral oder ipsi- und kontralaterales Tape) Tape-Anlagen (24)
    • der Zusatz vom KT zu einem Übungsprogramm hat keinen weiteren Nutzen in der Muskelfunktion (24)
  • lateraler Gastrocnemius
    • inhibitorisches oder fazilitatorisches KT keinen Effekt auf die Erregbarkeit der Motoneurone (15)
  • Sprung
    • Countermovement-Jump: Sprungweite und Peak-Sprungkraft: keine Unterschiede zwischen fazilitatorischem KT, Sham-Tape und kein KT (30)
    • Single-Leg Triple Hop Test: Sprungweite; keinen Unterschiede zwischen fazilitatorischem KT, Sham-Tape und normalem KT (30)
  • Hüft-, Knie-, und Fußgelenksarbeit (J /kg)
    • bei allen getesteten Sprüngen ist KT genauso effektiv wie Sham-Tape und kein KT (30)

Wichtig: Ob der Effekt auf die Aktivität der Muskulatur positiven Einfluss auf Schmerz und / oder Verletzungswahrscheinlichkeit hat, bleibt weiter abzuwarten. Bisher gibt es Studien in dieser Kombination nicht. Die Einzelstudien zeigen uns aber trotz eventuellen Einfluss auf den Muskeltonus keinen positiven Effekt auf Schmerz und / oder Verletzungswahrscheinlichkeit.

Sprungkraft

  • Single-Leg Triple Hop für Distanz
    • inhibitorische, fazilitatorische, Sham-Tape keinen Effekt (27)
    • kein Tape genauso effektiv wie ein KT bzw. KT keinen Effekt während konzentrischer und exzentrischer Kraft (28, 30)
  • Single-Leg Single Hop für Distanz
    • kein Tape genauso effektiv wie ein KT bzw. KT keinen Effekt während konzentrischer und exzentrischer Kraft (28, 30)
  • 30 Sekunden wiederholte Sprungkraft
    • kein Tape genauso effektiv wie ein KT (30)
  • Countermovement-Jump
    • Sprungweite, Flugzeit und Peak-Sprungkraft: keine Unterschiede zwischen KT, Sham-Tape und kein KT (30)
  • horizontaler Crossover-Sprung (cm) und 6-Meter Sprung (s)
    • KT genauso effektiv wie Sham-Tape (30)
  • Drop-Jump und Vertical Jump
    • KT genauso gut wie Sham-Tape und kein Tape (30)

Leistungsfähigkeit

  • Weite und Geschwindigkeit eines Fußballschusses
    • KT bei Geschwindigkeit keine Unterschiede; im Durchschnitt sieben Meter weiteren Schuss bei KT (30)
  • Weite und Geschwindigkeit eines Handballwurfes
    • KT bei Geschwindigkeit keine Unterschiede; im Durchschnitt 3,5 Meter weiteren Schuss bei kein-Tape (30)
  • Smith-Machine Power-Output
    • beim Half Squat (90° Knieflexion) sind keine Werte in der Studie angegeben (nur Veränderungen in Prozentzahl), aber keine Unterschiede zwischen KT und kein KT (30)
  • Sprint
    • 10 m: keine Werte in der Studie angegeben (nur Veränderungen in Prozentzahl), aber keine Unterschiede zwischen KT und kein KT (30)
    • 20 m: KT genauso effektiv wie Sham-Tape und kein KT (30)
    • 30-Yard Dash Test: KT genauso effektiv wie kein KT (30)
  • Fahrradfahren
    • KT bei Windgate (30s Fahrt) absolute und relative Power genauso gut wie kein Tape; besseren Effekt des KT bei relativer Power beim Windgate, aber nicht klinisch relevant (30)
    • Peak VO2 bei 60% und 80% Intensität für 5 Minuten und Herzrate bei KT nicht besser als kein KT (30)
  • wahrgenommene Anstrengung nach einer Belastung beim Fahrradfahren
    • KT genauso effektiv wie kein KT (30)
  • Agilität
    • KT beim Shuttle-Run-Test (s) genauso effektiv wie kein KT (30)
  • Zeit der Tape-Applikation
    • es hat keinen Einfluss, wann der Test nach der Tape-Applikation erfolgt (30)

Wichtig: Inwieweit der Placebo-Effekt einen Einfluss bei Trainierenden hat, welche an das Tape glauben, weiß man bisher nicht. Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt wenig bis moderate Effekte einer Placebo-Behandlung auf die Leistungsfähigkeit, aber ohne Fokus auf das Taping. Ist aber eine Placebo-Behandlung berechtigt?

Convolutions-Effekt

  • Rückenschmerz
    • ein korrekt angebrachtes Tape mit “Wellen” erzielt die selben Ergebnisse wie ein falsch angebrachtes Tape ohne “Wellen” (6)

Re-Alignment

  • Patella
    • kein Re-Alignment und keine Positionsänderung der Patella während Belastung beim KT oder McConnell-Tape (26)
    • keine Änderung des Kontaktbereichs der Patella während Belastung beim KT oder McConnell-Tape (26)

Nebeneffekte

  • keine einzige Studie zeigt Nebeneffekte (7, 18, 23)

“DENNOCH HILFT ES!” – ABER WIESO?

Dies ist ein Satz, den man mehr als oft hört. Der Punkt ist einfach nur: In kontrollierten (!) Studien mit validen (!) Tests und Messungen erzielt ein Kinesio-Tape keine besseren Ergebnisse als keine Therapie, als ein Sham- oder Placebo-Tape. Auch der Zusatz eines Tapes lässt keine besseren Ergebnisse vorscheinen. Es mag kurzfristig und einen nicht klinisch signifikanten Effekt haben, aber dieser Effekt tritt nur aufgrund von unspezifischen Faktoren auf, wie zum Beispiel Placebo-Effekt und Regression zur Mitte. Wenn jemand behauptet, dass es hilft, sollte er Evidenz liefern, durch welche spezifischen Faktoren oder Mechanismen es geholfen hat. Dies wird aber nicht getan werden können, da es bisher keine Beweise dafür gibt. Das Kinesio-Tape hilft nicht aufgrund von spezifischen Faktoren. Jeder sollte sich fragen: Ist es gerechtfertigt, jemanden Geld bezahlen zu lassen, wenn es keinen Effekt auf den Körper hat, sondern nur ein Placebo ist? Vor allem, wenn wir uns das BioPsychoSozial-Modell ins Gedächtnis rufen macht es wenig Sinn: Der Patient glaubt, dass er das Tape oder ein Tape braucht, um schmerzfrei zu werden. Auch kann der Patient denken, dass er nicht robust und stabil genug ist. Oder unbedingt einen Therapeuten braucht. Letztlich werden bei nicht Eintreten des Placebo-Effekts vom KT weitere negative Gedanken über den Schmerz entstehen. Alles, was zu einem hypersensiblen Nervensystem führt und so zu mehr Schmerz. Interessant wäre zu sehen, wie die Ergebnisse aussehen würden, wenn Studienteilnehmer genutzt werden, welche keine Vorerfahrungen und kein Wissen über Tapes haben, wie es Au IPH, et al. in “Effects of Kinesio tape in individuals with lateral epicondylitis: A deceptive crossover trial” getan haben. Oder man vor Beginn der Studien eine Umfrage erstellt, was man vom Tape erhofft, um weitere Placebo-Effekte darzustellen. Ansonsten bleibt zu sagen: Das Tape sorgt nach jetzigem Stand der Wissenschaft für keine spezifischen Veränderungen. Schon alleine der Placebo-Effekt, also positive Erwartungen des Patienten, sorgt für eine Ausschüttung von Neurotransmittern, welche analgetisch wirken (12, 19). Ich kann jeden Therapeuten im Jahr 2000 verstehen, der sagte „Bisher gibt es keine robuste Evidenz und nur Studien mit geringer Qualität. Also nutze ich es einfach weiter.“ Aber wir sind nun im Jahr 2018, Studien mit hoher Qualität gibt mehr und mehr. Und das Ergebnis dieser Studien könnt ihr oben sehen.

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Quellen

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