TEAMMORAL KILLER BESEITIGEN: EXZESSIVE AUFMERKSAMKEITS- UND DRAMASUCHT DURCH „FLOW“ ERSETZEN

Die Suche nach regelmäßiger Aufmerksamkeit ist ein natürlicher biologischer Prozess und sich erstmal nichts, worüber man sich Gedanken macht. Schwierig wird es dann, wenn es eine gesunde Schwelle übersteigt. Gehirnareale, die mangelnde Aufmerksamkeit als gefährlich einstufen, setzen durch die Amygdala das Signal einer Bedrohung frei, nämlich einer subkortikalen Struktur, in der das Denken nicht stattfindet.

Der “anteriore cingulöse Kortex” (ACC), der wie eine “mikroorganisierende” Mutter aller wichtigen Signale fungiert, kann auf diese Weise nicht in funktionierende Lage versetzt werden. Der ACC ist im kortikalen Denkbereich des Gehirns, der sich auslöst, wenn die Amygdala in Wirkung ist. Zusätzlich benötigt das ACC Serotonin, um seine Mikromanagierung durchzuführen. Serotonin kommt zB. durch Aufmerksamkeit erhalten. Aufmerksamkeitssuchende tendieren daher dazu, sich Serotonin häufig über diese Möglichkeit anzuzapfen. Menschen, die solche Kernprobleme haben, sind aber oft überstrapaziert. Anhaltende Überbeanspruchung schränkt die Verwertbarkeit von Serotonin ein.

Darüber hinaus ist der Hypothalamus-Umbau eine der Folgen von Vernachlässigung. Dies bedeutet, dass ihr Hypothalamus kleiner ist und weniger Rezeptoren für Serotonin und andere Neurochemikalien mit sich bringt. Selbst wenn ihr ACC reparierende Signalgeber entsenden kann, haben Sie vielleicht noch einmal einen Ort, an dem sie landen und ihre Arbeit erledigen können. Es wird ein Teufelskreislauf, der das Bewusstsein eines Menschen zwingt, immer mehr und immer häufiger Aufmerksamkeit zu suchen. Manche Menschen werden zu förmlichen Aufmerksamkeitszombies. Diese Menschen sind neurochemisch evolutionär nicht mit viel Überlebensstärke gesegnet und haben sich in ein mentales Abseits manövriert. Aufmerksamkeitssuche ist ein ganz natürlicher Mechanismus und nichts schlechtes an sich, es hält dich sogar am Leben. Die Dosis macht das Gift.

WIE LEGE ICH DEN SCHALTER UM AUF ANDERE BELOHNUNGSMETHODEN

Hier kommt die Team Culture ins Spiel, welches ein großes weiteres Kapitel für sich darstellt. Mit viel Coaching, mentaler Arbeit und Engagement gelingt es bei fähigem Spielerpersonal bzgl. ihrer grundlegenden Persönlichkeiten, eine Atmosphäre und Arbeitsstruktur zu schaffen, die den Fokus auf effektivere und nachhaltigere Belohnungskonzepte lenkt.

“Flow” bezeichnen die Forscher für optimale Bewusstseinszustände, jene Momente der totalen Absorption, bei denen das Selbst verschwindet, die Zeit vergeht und alle Aspekte der Leistung durch das Dach gehen. Csikszentmihalyi hat in den 80ern den Begriff Flow gewählt, als er diesen „Zustand“ entdeckte und detaillierter beleuchtete. Er wählte diesen Begriff, weil er bei der Befragung von Forschungsthemen “fließen” als häufige Antwort zurückbekam. In diesem Zustand ist jede Aktion, jede Entscheidung und jede Bewegungs- und Spielsequenz nahtlos und quasi „ flüssig“ zur nächsten Aktion oder Entscheidung übergegangen.

Der Psychologe Abraham Maslow hat das Thema bereits in den 40er Jahren beleuchtet und fand laut ihm in diesen „Flows“ eine Gemeinsamkeit unter allen damals erfolgreichen Menschen. Csikszentmihalyi identifizierte drei Ursachen für den Fluss und sieben charakteristische Merkmale des Zustands. Die sieben Merkmale werden anhand des Herausforderungsgrades und des notwendigen Fähigkeitenanspruches kategorisiert und sind:

  • Kontrolle haben: mäßig herausfordernd, hohe Fähigkeiten
  • Apathie: geringe Herausforderung, geringe Fähigkeiten
  • Langeweile: geringe Herausforderung, mittelmäßige Fähigkeiten
  • Entspannung: geringe Herausforderung, hohe Fähigkeiten
  • Sorge: mäßig herausfordernd, geringe Fähigkeiten
  • Angst: herausfordernd, geringe Fähigkeiten
  • Erregung: sehr herausfordernd, mittelmäßige Fähigkeiten

Viel Forschung darüber wurde bislang validiert aber niemand hat herausgefunden, wie man das anekdotische Berichten durch Empirie ersetzt. Die Neurobiologie des Zustands bleibt bis heute unbeantwortet. Der Flow entsteht aus einer radikalen Veränderung der normalen Gehirnfunktion. “Es ist ein Effizienz-Austausch”, sagen die Neurowissenschaftler der amerikanischen Universität in Beirut. Anscheinend wird Energie mobilisiert und ausgetauscht, die eigentlich für höhere kognitive Funktionen für erhöhte Aufmerksamkeit verwendet wird. Was ist die Ursache dieses forcierten Austausches? Nun, die gilt es zu finden um es quasi als ein Einschalter für einen Performanceboost zu nutzen. Das ist leider nicht so einfach.

Warum definiere ich den Flow hier als Skill, obwohl die wissenschaftliche Literatur dies nicht unbedingt unterstützt? Csikszentmihalyi definierte den Flow in „Beyond Boredom and Anxiety: Flow in work & play“ und gab daraufhin selbst zu, dass ein großer interpretationsspielraum herrscht und man auch bis dahin nicht genau weiß was man tun muss, um den Flow zu stärken und per se zu generieren. Ich habe bis dato nichts literarisch ordentliches gefunden, dass diesen Weg weiterführte, somit habe ich es selbst eine Zeit lang getan, sowohl in der aktiven Zeit als Athlet als auch danach, weil ich davon ständig hörte, aber nicht wusste was es ist und wie man das erreicht. Selbst die Frage ob man es überhaupt erreichen kann und wie es sich auf extrem hohem Niveau im Spielsport anfühlt und auswirkt, war ein großer Gedanke. Für mich ist das Problem daher bereits mit der Frage nach der Definition des Flows verbunden. Wenn nämlich schon die Grundlage selbst eventuell fault, dann lassen sich nicht genug Stockwerke darauf aufbauen, um dorthin zu gelangen, wo man hinmuss. Dazu sollte man erstmal eine simple Überlegung anstellen und zwar „Was muss grundsätzlich erfüllt sein, damit etwas als Fähigkeit gilt?“ Weiters ist die Überlegung sinnvoll zu bestimmen, was passieren muss, damit Flow überhaupt zustande kommt. Zum Schluss überlegt man sich, ob die Endauswirkung der Vorbereitung zum Flow hin klar getrennt werden kann von der Vorbereitung und man alles nach dieser Vorbereitung als Zustand behandeln kann. Flow ist an dieser Stelle für mich eben daran gemessen kein reiner Zustand und ich ordne es lieber unter Fähigkeit ein, weil das Menschen einen stärkeren Anreiz gibt, auf den Flow selbstbestimmt hinzuarbeiten. Das könnte der Knackpunkt in der Wahrnehmung und im Verständnis des anwendbaren Flows sein. Wenn man davon ausgeht, dass der Flow lediglich ein Zustand ist, den man erreicht und sich dann von ihm leistungssteigern nährt, hat man bereits verloren. Der Flow ist eine Fähigkeit, die man selbst im Flowzustand selbst weiterlernen muss, um sie zu festigen. Dadurch, dass der Zustand auf 7 Charaktermerkmalen basiert, braucht man die notwendige Erfahrung der Interaktion all dieser Merkmal im Flow-State, um darin auch besser zu werden. Das gleiche Prinzip verhält sich im Sport mit der Spielgeschwindigkeit. Ich kann zwar alle sportmotorischen und physiologischen sowie kognitiven Vorraussetzungen weiterentwickeln, die für mehr Spielgeschwindigkeit notwendig sind (zB. Abbremsmechanismen, exzentrische Maximalkraft, Entscheidungsfindung, lineare Geschwindigkeit durch Lauftechnik und Sprunggelenkssteifigkeit, Raumwahrnehmung, Reakion, Antizipation usw.) aber ich brauche ein Umfeld, in dem all diese Fähigkeiten auf maximalem Niveau gleichzeitig abgefragt werden, um die Teilprozesse ins Spielgeschehen zu intergrieren und als Symbiose walten zu lassen. Kurz: Ich brauche Spielerfahrung gegen starke Gegner und besser zu werden.

Im Buch „WIN THE DAY“ widme ich mich diesem Thema intensiver.