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SUMMARY

Aktuell sieht der Stand der wissenschaftlichen Datenlage keinen Beleg dafür, dass der Konsum von Light-Getränken Gewichtszunahme oder andere gesundheitliche Risiken mit sich bringt. Dass Light-Getränke das sich Überfressen fördert, kann man zudem ebenso nicht bestätigen. Der schlimmste Nebeneffekt von einem hohen Konsum sind schlechte Zähne.

Wenn von gesundheitlichem oder evtl. sogar leistungsbezogene  Optimum die Rede ist, so muss man bereits einen ersten Blick in Richtung personalisierte Ernährung gehen. Wir weisen als Individuum unterschiedliche Reaktionen auf Light-Getränke auf.


Es existieren keine Studien die belegen, dass Getränke in denen der ursprünglich verwendete (und ebenfalls gefürchtete) Industriezucker durch künstliche Süßstoffe ersetzt wurde, gesundheitliche Langzeitrisiken mit sich bringt. Light-Getränke gefährden weder die Gesundheit, noch das Wohlbefinden oder die Körperzusammensetzung. [1]

Für die Behauptung, dass solche Getränke bzw. die enthaltenen Süßstoffe den Fettabbau verhindern, gibt es keine Evidenz. Aktuelle Studien, die diese Produkte mit Gesundheitsproblemen in Verbindung zu setzen versuchten, hatten z.B. keine gleiche Kalorienaufnahme zwischen den untersuchten Gruppen. [2][3] Das ist ein wichtiger Faktor, denn dauerhaft zu viele Kalorien zu sich zu nehmen steht in direktem Zusammenhang mit vielerlei Gesundheitsproblemen. Das streicht eine der beiden Studien sogar heraus und gibt zu, dass sich so keine Aussage über die Auswirkung von Light-Getränken auf die Gesundheit treffen lässt:

„Consequently, the previously observed diet soda–metabolic syndrome associations are generally speculated to be the result of residual confounding by other dietary behaviors, lifestyle factors, or demographic characteristics (1,2). Biological mechanisms possibly explaining these associations are few and largely focus on artificial sweeteners in beverages/foods increasing the desire for (and consumption of) sugar-sweetened, energy-dense beverages/foods (3) or disrupting consumers’ ability to accurately estimate energy intake and remaining energy needs (4). Thus, diet soda consumption may result in overconsumption, increased body weight, and consequent metabolic dysfunction.”

Die aktuelle Studienlage besagt also, dass Light-Getränke bzw. die verwendeten Süßstoffe keinerlei Gesundheitsschäden nach sich ziehen. Dabei sollte dennoch beachtet werden, dass die meisten Menschen welche eine mehr als schlechte Ernährung pflegen, solche Produkte konsumieren und damit den Schaden zu minimieren versuchen. Dieser Umstand führt wahrscheinlich zum Trugschluss, dass allein Light-Getränke zu gesundheitlichen Problemen führen.

WAS IST MIT DEN GEGENSTUDIEN

Wahrscheinlich war das gelesene eine Umfrage oder epidemiologische Untersuchung. Diese Arten von Untersuchungen beschränken sich darauf, Korrelationen zwischen zwei Variablen zu finden um darauf zukünftige Studien aufzubauen um herauszufinden, welche Variable welche Auswirkung hat.

Es gibt viele Studien die sagen, das Light-Getränke primär von ungesunden bzw. Übergewichtigen Personen konsumiert werden,  aber keine Studie vergleicht Menschen mit identen bzw. gleichwertigen Ernährungsmustern. Es gibt eine Studie (Northern Manhattan Study) in der mehrere Variable abgeglichen wurden und so eine fairere Basis geschaffen hat anhand der untersucht werden konnte. Diese Studie fand eine schwache Korrelation zwischen Light-Getränken & vaskulären Ereignissen feststellen. Diese Unterschiede verschwanden aber wieder als ein Blick auf bekannte Vorerkrankungen der Probanden geworfen wurde. [4]

Wenn man Light-Getränke mit andern kalorienfreien/-armen Getränken vergleicht, und auch den Rest der Ernährung kontrolliert, kann man keinen Unterschied in Sachen Gewichtsreduktion feststellen. Das zeigt uns, dass das Problem wahrscheinlich eher die Essgewohnheiten der Menschen sind die Light-Getränke konsumieren, als das die Light-Produkte selbst das Übel darstellen! Die Northern Manhattan Studie suggeriert, dass solche Getränke vielleicht doch im Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen stehen. Tatsächlich versuchten bereits ungesunde Menschen einfach mit dem Konsum von Light-Getränken Kalorien zu reduzieren und Kontrolle über ihre Gesundheit zu erlangen.

GIBT ES NUN DOCH AUCH NACHTEILE BEI LIGHT-GETRÄNKEN?

Die meisten Light-Getränke beinhalten Kohlensäure. Diese wurde bereits oftmals mit Zahnproblemen, speziell bei Kindern, in Verbindung gesetzt. [5][6] Auch wenn Zucker eine Rolle spielt, die enthaltene Kohlensäure beeinflusst ebenfalls die Zahngesundheit negativ. Der exzessive Konsum von kohlensäurehaltigen Getränken kann also zu Karies und zu Verfärbungen der Zähne führen. Das gilt sowohl für zuckerhaltige, als auch zuckerfreie Soda-Getränke (auch Mineralwasser mit Kohlensäure!). Dennoch sind hier Getränke mit (hohem) Zuckergehalt schädlicher für die Zahngesundheit. [7]

MIKROBIOM UND PERSONALISIERTE ERNÄHRUNG

Suez et. al [8] untersuchten, ob ähnliche Effekte von NAS auf die Mikrobiome in menschlichen Individuen dokumentiert werden könnten.
In ihrer laufenden personalisierten Ernährungsstudie folgen sie einer großen Kohorte von gesunden nicht-diabetischen Personen durch die Überwachung ihrer Diäten und Durchführung kontinuierlicher Glukosemessungen, gepaart mit einer Bewertung von mehreren klinischen Parametern. Es wurde analysiert, wie mögliche Assoziationen zwischen Süßstoffverbrauch, Mikrobiomzusammensetzung und metabolischen Ergebnissen bei 381 dieser Teilnehmer zustande kam.
Es zeigte sich, dass der Süßstoffverbrauch nicht mit verschiedenen klinischen Parametern wie BMI, Blutdruck, HbA1 C% und Nüchternblutzuckerspiegel assoziiert ist.
Zudem wurde festgestellt, dass die Obergrenze der täglichen Saccharindosen (5 mg kg-1 d-1) zu einer erhöhten Blutzuckerspiegelung bei 4 der 7 Probanden führte ( “Responder”), während keine Reaktion bei den anderen 3 Teilnehmern festgestellt wurde. Schlechtere Reaktionen in den 4 Respondern waren mit Mikrobiomveränderungen assoziiert, die bei der Transplantation in keimfreie Mäuse die glykämischen Reaktionen ihrer menschlichen f-Spender replizierten.
Darüber hinaus waren Mikrobiomzusammensetzungen von Respondern und Nicht-Respondern sogar vor der Exposition gegenüber Saccharin deutlich.

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Abb. 1: Antibiotika verbessern die Saccharin-exazerbierte Glukoseintoleranz. Oraler Glukosetoleranztest (OGTT) und Fläche unter der 2 stündigen Blutzuckerreaktionskurve (AUC) in fettreich gefütterten Mäusen mit 9 Wochen kommerziellem Saccharin (N = 15) oder Glucose (N = 15), Subgruppe jeder Gruppe (N = 5), ergänzt mit Ciprofloxacin und Metronidazol ab Woche 5

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Abb. 2: Glykämische Reaktion bei süßstoffkonsumierenden Mäusen. Oraler Glukosetoleranztest (OGTT) und Fläche unter der 2 stündigen Blutzuckerreaktionskurve (AUC) bei normal gefütterten Mäusen mit kommerziellen nichtkalorischen Süßstoff (N = 20-25) oder Glucose (N = 15-25) für (A ) 8 Wochen oder (B) 11 Wochen

Dies deutet stark darauf hin, dass die Mikrobiome des Darms ein Anzeichen für Anfälligkeit und personalisierte Reaktion auf Süßstoffe oder andere Lebensmittelverbindungen darstellen.
Davon kann man ableiten, dass im Spezialfall der “personalisierten Ernährung” das Mikrobiom künftig als wichtige Variable angesehen werden sollte, wenn es darum geht, individuell abgestimmte, gesundheitsfördernde Diäten zu entwerfen.


Dieser Artikel wurde in Kooperation mit Examine verfasst, einer unabhängigen evidenzbasierten Analyseplattform für Supplements und Nahrungsmittelsubstanzen. Mehr dazu:

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RAW DATA

[1] Passman CM, et. al Effect of soda consumption on urinary stone risk parameters . J Endourol. (2009)

[2] Nettleton JA, et. al Diet soda intake and risk of incident metabolic syndrome and type 2 diabetes in the Multi-Ethnic Study of Atherosclerosis (MESA) . Diabetes Care. (2009)

[3] Dhingra R, et. al Soft drink consumption and risk of developing cardiometabolic risk factors and the metabolic syndrome in middle-aged adults in the community . Circulation. (2007)

[4] Gardener H, et. al Diet Soft Drink Consumption is Associated with an Increased Risk of Vascular Events in the Northern Manhattan Study . J Gen Intern Med. (2012)

[5] Kaplowitz GJ An update on the dangers of soda pop . Dent Assist. (2011)

[6] Cheng R, et. al Dental erosion and severe tooth decay related to soft drinks: a case report and literature review . J Zhejiang Univ Sci B. (2009)

[7] Shenkin JD, et. al Soft drink consumption and caries risk in children and adolescents . Gen Dent. (2003)

[8] Suez J, et. al Non-caloric artificial sweeteners and the microbiome: findings and challenges