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Kenne deinen Platz und deine Kompetenzen. Es gibt nichts ignoranteres und unprofessionelleres als vorzugeben, man könne Bereiche die jenen überlassen sind, welche sich dort spezialisiert haben, genauso gut oder sogar besser machen.

NEVER PRETEND EXPERTISE

In diesem Fall gibt es zwei Kategorien zu denen man gehört: Entweder ist man sich der Komplexität und Anforderung dieses Feldes gar nicht bewusst und hält sich für sehr kompetent, oder man weiß es und verkauft nach außen Pseudoexpertise.

Beides ist nicht zielführend und nachhaltig. Beiß in den sauren Apfel und überdenke diese Strategie, falls du dich dazuzählst.
Zielführend und professionell ist eine Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens sowie Kompetenznetzwerke aufzubauen und zu pflegen. Ohne ins kitschige abdriften zu wollen aber “Teamwork – Dreamwork” ist hinsichtlich der Betreuung von Menschen der entscheidende Faktor.

HAST DU TEAMPLAYERGENE? 

“Woran erkennt man einen sehr guten, kompetenten Fachmann? Sehr einfach, nämlich an der Anzahl an Kontakten verschiedener Fachleute sowie die Kooperation mit diesen.” – Boris Zupa

Raw360-Book-Nutrition

Nutrition 101, RAWs Research Review zu Ernährung und Diätstrategien demnächst erhältlich.

Gute Fachleute haben ein breites Netzwerk, bauen Vertrauen auf und hieven sich gegenseitig hoch.
Wenn du keine grundlegende wissenschaftliche Ausbildung und Praxis in der Evaluierung, Diagnose und Handhabung echter medizinischer Anliegen hast, dann gebe nicht vor sie zu haben. Denn dann weißt du nicht, was du nicht weißt. Das kann sehr gefährlich für deine Klienten sowie auch deine Karriere sein.”Dr. Jason Silvernail

Wenn du keine Kernkompetenzen für sicheres und maximal effektives “Performance-Peaking” von Athleten hast, dann sind sie in deinen Händen ein vergeudetes Potenzial. Es ist ihr Recht, darauf aufmerksam gemacht zu werden.

Sofern dir Grundsätze wie “das beste aus Sportlern” herauszuholen wichtiger sind als “das meiste profitieren”, ist es deine Pflicht auf andere zu verweisen. Ja der Markt kann finanziell schwierig sein, wenn du dich beruflich jedoch auf das Blenden verlassen musst und es draußen weit bessere in deinem Feld gibt, dann ist vielleicht deine Kompetenz nicht ausreichend. In diesem Fall bedarf es Investment in die fachliche Weiterentwicklung in sich selbst.
Die breite Masse bringt wenig Diskussionskultur, wenig kritisches Denken und dafür viel Bedarf für Egomassage mit.

“Dann passiert es schon mal dass die heimische Eishockey-Nationalmannschaft mit einem gewissen “Swag” aus dem Teambus aussteigt, weil ihr Athletiktrainer aus dem Kraftdreikampft stammt und ihnen seine persönlichen Überzeugungen angemessenen spezifischen Trainings auferlegt hat.” – Mathias Wiese

Man erwartet heute oft Applaus für jede Kleinigkeit. Wir leben verwöhnt, infrastrukturell elitär und schaffen es noch immer nicht mal den Großteil von Homöopathie oder Chemtrailverschwörungen wegzubekommen und ihnen die echte Wirkweise von Placebo verständlich zu machen. Dafür aber möchten wir Anerkennung, wenn wir zB. “Outside of the Box” handeln. Kein Problem, aber was genau bedeuten solche oft gehörten Aussagen wie zB. denke “Outside of the Box” und “Limitiere dich mit Wissenschaft nicht selbst” wenn von demjenigen noch nicht mal “Inside of the Box” richtig aufgeräumt wurde und noch ein Meer an Erkenntnissen auf ihn wartet? Um das zu jedoch zu vollrichten, bedarf es wissenschaftliches Verständnis sowie statistische, methodische und weitere fachübergreifende Kenntnisse. Wer hat die schon und wo holt man sich diese?
Coaches und Therapeuten mit viel Eigenerfahrung haben sich eben den Großteil ihrer Laufbahn großteils mit genau diesen eigenen Erfahrungen beschäftigt. Es erfordert viel Mühe, Kraft und Zeit sich neben seinen beruflichen Aufgaben auch noch all diese oben geschilderten Kenntnisse anzueignen und wissenschaftliche Evidenz in seine Arbeit zu implementieren.
Nun zum positiven Teil; es ist nicht notwendig dies selbst intensiv zu tun wenn man mit den richtigen Menschen kooperiert und sich gemeinsam weiterentwickelt.
“All growth depends upon activity. There is no development physically or intellectually without effort, and effort means work.” – Calvin Coolidge

BEFASSE DICH MIT WISSENSCHAFTLICHER LITERATUR, GLEICHE DEINE ARBEIT AB UND STELL SIE PERMANENT IN FRAGE

Prüfe Literatur die dir vorgelegt wird und verfolge deren Inhalt zurück bis zum eigentlichen Ursprung, nämlich größtenteils Studien. Nur sind in den meisten Fällen eben schwache oder eine fehlerhafte Interpretation der vorliegenden Studien. Verfalle nicht in Bequemlichkeit einfach das was dir vorgelegt wird, 20 Jahre lang zu schlucken nur weil dich die Tatsache paralysiert, dass du allein als Individuum im Meer der “Science” untergehst.

Niemand hat gesagt dass du alleine besser werden musst.
Kompetente Coaches, Spowis, Ernährungswissenschaftler, Physiotherapeuten, Molekularbiologen, Psychologen, Statistiker etc. müssen enger zusammenrücken und gemeinsam mehr bewegen.
Lass dir ein dickes Fell wachsen und akzeptiere dass du eventuell in den letzten 20 Jahren sehr viel falsch bzw. nicht ganz optimal gemacht hast.
Don’t hate us – hate the data or hate yourself but DO something.
Leg widerlegtes beiseite, passe jenes an wo Evidenz vorliegt und feile an deinem Produkt und deiner Leistung. Werde ein echter Experte.

WELCHE SKILLS MUSS ICH NUN SELBST MITBRINGEN?  

“Coaching ist nicht die Wiedergabe von Erfahrungen, sondern das konsequente Anwenden einer Haltung und Werkzeugen, die Verhaltensveränderungen und Perspektivenveränderungen ermöglichen. Da wird zwar oft von “Erfahrung” geredet als Grundvoraussetzung, die Forschung zeigt uns aber, dass es nur ein Wohlfühlfaktor für den Kunden ist. Entscheidend ist die Fähigkeit des Coaches, eine Haltung einzunehmen (Coaches sind keine Berater, geben nur in den seltensten Fällen Ratschläge, nutzen Fragestellungen und Werkzeuge und sehen den Klienten als Experten für seine eigene Situation) und Tools richtig einzusetzen (Bspw. GROW Modell (1), lösungsfokussierte, sokratische oder systemische Fragetechniken, zirkuläres Fragen (2), Zielsetzungssysteme, Solution Walks (3), Multiscaling (4), Miracle Questions (5), usw.)
Es gibt aus meiner Sicht als jemand, der diese Branche kennt, nichts Schlimmeres als einen Coach der auf seine Lebenserfahrung pocht. Da kommt am Ende ein verkappter Berater bei rum, der statt die Tools einzusetzen, dem Klienten seine Wahrnehmung aufdrückt. Und das ist das Gegenteil von effektivem Coaching.” – Frank Taeger

SCHWARZ-WEISS, BLAU-GRÜN ODER DOCH GRAUTÖNE? 

Auf solch ein Statement folgt von den Coaches die auf Lebenserfahrung viel setzen meist ein Schutzreflex, gemischt mit “Schwarz-Weiß” Denken.

Gerne wird dann interpretiert dass jemand, der sich Wissenschaft zunutze macht, bestimmt nicht soviel Empathie und Feingefühl für Menschen aufbringen kann. Abgesehen davon, dass dies pauschale Spekulationen sind, wird Empathie oft zuviel Relevanz beigemessen. Sie ist wichtig, aber nicht alleinstehend relevant.
Empathie relativiert nicht fachspezifisch erforderliche Fähigkeiten und Kompetenzen.

Man kann es mit diesem Beispiel vergleichen wo jemand behauptet “Ich brauche für den Job eines Programmiers gar nicht so viel Kompetenz im Bereich der Programmiersprachen und anderer erforderlicher Tools weil ich ja ein Auto habe, welches mich zur Arbeitsstelle hinbringt”.

Sehr einfach erklärt: Das eine sind Werkzeuge und das andere ist ein Vehikel welches dich mit deinen Werkzeugen zur Arbeit/ zum Patienten bringt.
Ein schnelleres Auto (in dem Fall mehr Empathie) wiegt leider keine unzureichenden Programmierkenntnissise auf, ergo wird man mit mehr Empathie auch nicht geeigneter für den Job sein solange das Werkzeug dazu fehlt.

HILF UNS DIR ZU HELFEN

Wenn du nicht weißt wie du die Datenlage werten oder praktisch implementieren sollst, dann such dir diesbezüglich kompetente Hilfe. Dafür gibt es zB. uns.

Nur Ignoranten lassen sich nicht helfen und beharren selbst in der heutigen Zeit auf ihrer “Wer heilt hat Recht” Mentalität.

Das Hauptargument “Ihr mit eurer Wissenschaft, man braucht ein Gefühl für die Menschen und Empathie” ist ebenfalls hinfällig.

Warum soll das eine das andere ausschließen? Zb. ist ein großer Teil unserer RAW Lehrmanuskripten genau auf dieses Topic bedacht.

Naturgegebene als auch “erlernbare” Empathie und emotionale Differenzierungsfähigkeit ist letztendlich wie schon beschrieben das Vehikel, aber nicht das Tool selbst. Das Tool sind geprüfte Modelle und Anwendungen.
Man redet sich dann gerne drauf aus, dass dem anderen vermutlich X fehlt wenn er Y stark beherrscht und man Y selbst kaum beherrscht. Ganz typisches und nachvollziehbares Schutzreflexverhaltenß

WER SICH MIT WISSENSCHAFT BESCHÄFTIGT, HAT KEINE ECHTE PRAKTISCHE ERFAHRUNG? 

Wir führen in unserer RAW Datenbank zusammen mehrere tausend betreute Athleten und Patienten. Noch Fragen?

WANN ERFAHRUNG DOCH EINE ROLLE SPIELT

Zunächst gilt es zu unterscheiden zwischen brauchbarer “empirisch protokollierter Erfahrung” anhand derer man evtl. Muster erkennt und anekdotischer, unprotokollierter Erfahrung und Meinung bzw Interpretation von Ursache und Wirkung.

In unseren Education-Programmen lehren wir ersteres und zwar ist jeder Coach nur so gut wie seine Datenbank. Nein, sie ist nicht alles aber sie ist “a heck of an awesome tool”.

Während wir zB. wissenschaftliche Erkenntnisse heranziehen um zu verhindern, dass Verletzungen aus biomechanischer Sicht zustande kommen, ist es wichtig zu erkennen, dass es viele engagierte Trainer gibt, die sich auf empirische Daten aus ihrer eigenen Erfahrung verlassen. Beides sinnvoll ausgearbeitet ist notwendig. Dabei scheitert es aber meistens schon.

Die Zusammenarbeit zwischen Forschern und Trainern ist von wesentlicher Bedeutung für eine erfolgreiche Erstellung von Interventionsprogrammen. Heute noch mehr denn je. Dieser Ansatz muss auch hierzulande voranschreiten.

Es ist wichtig, Wissen, Einstellungen und Überzeugungen über bedingte Verletzungen zu verstehen, so dass potenzielle Hindernisse für eine erfolgreiche Intervention identifiziert und adressiert werden können, bevor die Umsetzung stattfindet.

What? Ok, nochmal in Ruhe weiter..

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Baseball weil ich zum Zeitpunkt des Schreibens gerade in diese Paper vertieft war und es super dazupasst.

Eine Studie von Robb et al. (6) zeigt Korrelationen zwischen der Flexibilität der Pitcherhüfte und Kinematik beim Pitching in Becken und Rumpf. So kann es Fälle geben, in denen Veränderung der physikalischen Eigenschaften zu Modifikation der Pitching-Technik führen kann. Daher ist ein umfassender Ansatz, der alle drei potenziellen Risikofaktorkategorien adressiert, wichtig. Der Forscher selbst hat wenig Know-How im Bereich der Wurftechnik. Er kann kaum bis gar nicht erkennen, inwiefern sich die Wurftechnik verändert und welche kinetischen Auswirkungen das auf Übertrag und Neigung des Athleten hat. Das kann der Performance-Coach besser.

Dieser hingegen hat wahrscheinlich nicht genug Know-How um wissenschaftliche Daten auszuwerten.
Wir brauchen moderne Ansätze des Teamworks und keine Ignoranz, Eigensinnigkeit und Sturrheit. Es geht nie um den Coach, es geht um die Menschen die betreut werden. Period. Dann nämlich können optimal Verletzungen vermieden werden.

LEAD the industry.

RAW DATA

1: http://www.controller-forum.org/data/_uploaded/file/pdf/Workshops2013/12_WS%205%20-%20F%C3%BChrungskr%C3%A4fte%20Teil%203.pdf

2: http://methodenpool.uni-koeln.de/download/zirkulaeres-fragen.pdf

3: http://www.korn.ch/solutionstage/dokumente/LF-szen-interv-teams-u-gruppen.pdf

4: https://en.m.wikipedia.org/wiki/Multi-scale_approaches

5: https://www.researchgate.net/file.PostFileLoader.html?

6: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20807860